Triadisches System

Das von dem deutschen Psychiater Kurt Schneider entwickelte triadische System unterteilt die psychischen Erkrankungen nach ihrer Entstehungsursache in die drei große Kategorien: exogene, endogene und psychogene Psychosen. Es stützt sich auf die Systematik, die Emil Kraepelin Anfang des letzten Jahrhunderts erstmals in die Psychiatrie eingeführt hatte und psychiatrische Erkrankungen nach ihrem Verlauf katelogisierte. Kraepelin unterschied zwischen exogenen und endogenen Psychosen und und trennte die manisch-depressiven Erkrankungen von der Dementia Praecox („frühzeitige Verblödung“). Eugen Bleuler modifizierte die Systematik, indem er für die „Dementia Praecox“ den Begriff der Schizophrenie einführte. Er zeigte auch, dass die Schizophrenie nicht immer in einen Defektzustand enden muss.

 

Exogene Störungen

Exogene Störungen sind nach dem triadischen System psychische Erkrankungen, die durch körperliche Veränderungen ausgelöst sind und deren Ursache bekannt ist. Es liegt ein Befund einer eindeutig organischen Erkrankung vor. Die organische Störung kann dabei primär das Gehirn betreffen, oder eine systemische körperliche Erkrankung sein, welche die Funktion des Gehirns beeinträchtigt.

 

Endogene Störungen

Endogene Störungen sind Erkrankungen, denen zwar eine körperliche Ursache als wahrscheinlich unterstellt wird, deren genaue Zusammenhänge aber bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Diese Erkrankungen können weder den exogenen noch den psychogenen Psychosen / Störungen zugewiesen werden. Ihnen werden konstitutionelle und genetische Veranlagungen zugeschrieben.

 

Psychogene Störungen

Psychogene Störungen sind durch Persönlichkeitseigenschaften, Verhaltensweisen, biografische Faktoren und als Reaktion der Psyche auf belastende Lebensumstände zu verstehen (psychoreaktiv, seelisch bedingt).

 

Exogene Psychosen- Körperliche Erkrankungen mit Hirnbeteiligung
- Primäre Hirnerkrankungen
Endogene Psychosen- Schizophrenien
- Manisch-depressive Erkrankungen
- Schizoaffektive Erkrankungen
- Wahnhafte Erkrankungen
Psychogene Erkrankungen- Persönlichkeitsstörungen (Psychopathien, Charakterneurosen)
- Abnorme Erlebnisreaktionen und Persönlichkeitsentwicklungen
(Sympthomneurosen)
- Süchte (Alkohol und Drogenabhängigkeit)
- Sexualstörungen
- Essstörungen
- Schlafstörungen

 

Grenzen des triadischen Systems

Das Einteilungsprinzip wurde nach ätiologischen Gesichtspunkten geschaffen, die nach den heutigen Kenntnisstand nicht mehr aufrecht zu erhalten snd. Vielmehr sind psychische Störungen aus allen drei Gruppen mehr oder weniger multifaktorell bedingt, das heisst, bei der Krankheitsentstehung sind mehrere Ursachen beteiligt.

Der Endogenitätsbegriff ist aufgrund seiner Unschärfe ebenfalls entbehrlich. Er definiert zwar, durch was eine Krankeit nicht bedingt ist, also nicht durch biografische oder Umweltfaktoren und nicht durch organische Faktoren, aber was dadurch positiv zu verstehen ist, bleibt unklar. Der Begriff „Psychose“ hat sich im Zusammenhang mit dem triadischen System etabliert. Er drückt aus, dass die tiefgreifenden psychischen Erkrankungen der exogenen und endogenen Gruppe mit einem stärkeren Realitätsverlust und deutlicheren Einbußen der psychischen Funktionen (Denken, Fühlen, Handeln) und der sozialen Anpassung einhergehen als die der psychogenen Gruppe. Dies ist jedoch kein verlässliches Unterscheidungskriterium.

Der Neurosebegriff stammt ursprünglich von Sigmund Freud. Er verstand darunter Störungen, die durch unbewusste und ungelöste frühkindliche Konflikte bedingt sind und durch aktuelle traumatische Ereignisse wieder aufleben und zu krankhaftem Erleben und Verhalten führen können. Im triadischen System werden mit diesem Begriff psychische Störungen klassifiziert, die keine erkennbare organische Ursache haben und bei denen der Patient keinen Verlust der Realität erlebt und meist eine Krankheitseinsicht behält.

Trotz dieser begrifflichen Unschärfen hat sich das triadische System sehr bewährt, da es eine hilfreiche Struktur zum Lernen bietet und einen ersten Überblick über die psychischen Erkrankungen ermöglicht. Moderne Klassifizierungssysteme wären das ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und speziell im amerikanischen Sprachraum das DSM-5.