ICD-10

Die modernen Klassifizierungssysteme haben die ätiologische Einteilung (nach der Krankheitsursache) verlassen und orientieren sich vornehmlich an der Phänomenologie, das heisst, an der Symptomatik, dem Verlauf und dem Schweregrad der Erkrankungen. Das bei uns gängigste Referenzsystem ist die International Classification of Deseases in der 10. Fassung ICD-10. Die ICD-10 gilt somit als diagnostische Leitlinie für die Psychiatrie, die klinische Psychologie und dir damit verbundene Psychotherapie. Sie bietet eindeutige diagnostische Kriterien sowie Ein- und Ausschlussdiagnosen, anhand derer eine psychische Erkrankung einer Störungskategorie zugewiesen werden kann. Sie ermöglicht auch eine Verschlüsselung (Codierung) mehrerer gleichzeitig auftretender psychischer Erkrankungen (Komorbiditäten).

Die psychischen und psychiatrischen Störungen finden sich im Kapitel F der ICD-10. Die einzelnen Ziffern des Kapitel F sind entsprechend den Störungsbildern weiter unterteilt und bieten die Möglichkeit, durch Zusatz einer fünften Stelle zum Beispiel den Verlauf zu codieren. Eine hebephrene Schizophrenie, die kontinuierlich verläuft, erhält zum Beispiel die Codierung F20.10.

 

ICD-10 Klassifikation psychischer und psychiatrischer Störungen

 

KapitelHauptgruppen
F0Organische einschliesslich symtomatische psychische Störungen
F1Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrobe Substanzen
F2Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F3Affektive Störungen
F4Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F5Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren
F6Persönlichkeits- und Verhaltenstörungen
F7Intelligenzminderung
F8Entwicklungsstörungen
F9Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn der Kindheit und Jugend

 

Die Begriffe „endogen“ und „psychogen“ werden in der ICD-10 nicht mehr verwendet, aber man findet sie häufig noch im klinischen Alltag.