Allgemeine Grundlagen

Lieber Besucher,

ich möchte Ihnen hier eine kurze Übersicht über die einzelnen Begriffe geben, die zu dem Thema Psychiatrie wichtig sind. Grundsätzlich ist die Psychiatrie eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Fachbereichen. Überschneidungen gibt es mit der Psychotherapie, Psychologie, Psychosomatik und Neurologie, aber auch mit der somatischen (sprich körperlichen) Medizin.

 

Psychiatrie

„Die Psychiatrie (griech. psyche, Seele; iatrik, ärztliche Heilkunst) ist ein Gebiet der Medizin, sie befasst sich mit der Diagnostik, Therapie und Prävention der seelischen Krankheiten des Menschen, einschliesslich deren Erforschung und Lehre. Weil bei seelischen Krankheiten auch körperliche Störungen auftreten und weil psychische und soziale sowie somatische Bedingungen an der Entstehung beteiligt sind, muss Psychiatrie (klinisch und wissenschaftlich) sowohl psychologische als auch auch biologische Vorgehensweisen pflegen.“ R. Tölle

Die moderne Psychiatrie geht auf den Arzt Wilhelm Griesinger zurück, der die These vertrat, seelische Erkrankungen seinen Erkrankungen des Gehirns. Emil Graebelin hatte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals in der Geschichte der Psychiatrie ein Klassifizierungssystem für psychische Krankheiten etabliert, dass 1990 durch die ICD (International Classification of Deseases) durch die WHO (World Health Organization) ersetzt wurde.

Durch die Entwicklung und Einsatz von Psychopharmaka wurde die Therapie psychisch kranker Menschen deutlich verbessert. So trugen etwa in der Behandlung der Schizophrenie die Antipsychotika (Neuroleptika) maßgeblich zu einer positiven Wende (verglichen mit Zwangsjacken zur Fixierung und langen Klinikaufenthalten) bei. Der auf die Teildisziplin Psychiatrie spezialisierte Arzt ist Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie, kurz Psychiater genannt und er führt die medikamentöse, sozial- und psychotherapeutische durch, bzw. koordiniert sie.

 

Neurologie

„Neurologie ist die Lehre und Behandlung von organischen Erkrankungen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems, und zwar von denjenigen Krankheiten, bei denen psychische Krankheiten nicht im Vordergrund stehen“. A. Diester

Dieser spezialisierte Arzt wird Facharzt für Neurologie oder kurz Neurologe genannt. Er ist Spezialist für die organischen Erkrankungen des Nervensystems wir MS (Multiple Sklerose) oder Morbus Parkinson. Neurologie und Psychiatrie sind medizinische Fachgebiete, die eine Reihe von Überschneidungen und Gemeinsamkeiten haben.

 

Psychosomatik

„Psychosomatik ist die Lehre und Behandlung von körperlich in Erscheinung tretenden Krankheiten, die seelisch bedingt oder mitbedingt sind. Die Psychosomatik ist mittlerweilen ein eigenständiges Fachgebiet geworden“.  H.-J. Müller

Der Begriff „psychosomatisch“ beinhaltet die komplexen Einwirkungen seelischer Einflüsse auf die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen, die ich als körperliche Funktionsstörungen sowohl mit oder auch ohne Organbefund manifestieren. Dies bedeutet, dass bestimmte Körpersymptome durch psychische Ursachen mit bedingt oder zumindest mit geformt sein können. Dabei kann es sich auch um chronische Belastungs- und Konfliktsituationen handeln, die aus der Biographie des Patienten (Anamnese) ableitbar sind und deren Einflüsse (wie traumatische Ereignisse) sich teilweise bis in die Kindheit zurückverfolgen lassen. Ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist auf die psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert.

 

Psychologie

„Die Psychologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Erscheinungen und Zuständen des bewussten und unbewussten Seelenlebens befasst und das Erleben und Verhalten des Menschen im Bezug auf sich selbst sowie auf all seine Lebensbereiche erforscht“. G. Laux

Im Bereich Psychologie – auch „Seelenkunde“ genannt – werden Beschreibungen, Erklärungen und Vorhersagen zum Erleben und Verhalten des Menschen erforscht. Die Psychologie ist eine Wissenschaft mit fließenden Übergängen zu anderen Wissenschaften und sie beschäftigt sich vornehmlich mit den „normalen“ Vorgängen und Phönomenen des gesunden Menschen. Die wichtigsten Hilfsmittel um das Erleben und Verhalten der Menschen zu erforschen und zu erklären sind die Selbst- und Fremdbeobachtung, sowie wissenschaftlich durchgeführte Studien, Versuche, Umfragen und Messreihen, die danach mit statistischen Methoden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet werden. Diese werden danach als „allgemeingültig“angesehen, da sie wiederholbar annährend die selben objektiven Ergebnisse liefern, was bei subjektiven und nicht hinterfragten Glaubenssätzen von Einzelnen oder Gruppen in der Regel nicht der Fall ist (auch Alltagspsychologie genannt).

 

Psychotherapie

„Psychotherapie ist das methodische Handhaben psychologischer Verfahren auf emotionaler, kognitiver und verhaltensbezogener Ebene zur Therapie von psychischen oder psychosomatischen Störungen oder Bearbeitung von Lebenproblemen“. W.Frank

Psychotherapie (griech., Pflege der Seele) ist die Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mithilfe wissenschaftlich fundierter psychologischer Methoden durch verschiedene Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation.

Je nach Form der Psychotherapie geht es bei der Klärung der Krankeitsursachen um die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten (wie Psychoanalyse, tiefenpsychologische Verfahren oder Gesprächstherapie) oder es wird der Bereich des bewussten Denkens, Empfinden und Handelns ergründet und durchleuchtet (wie bei der Verhaltenstherapie).

Wichtig: Eine psychotherapeutische Behandlung dürfen nur der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, sowie sehr eingeschränkt der „Heilpraktiker für Psychotherapie“ anbieten und durchführen.

 

Begriffserklärungen

In der folgenden Tabelle finden Sie die Erklärungen für die wichtigsten Begriffe (alphabetisch aufsteigend geordnet) zum Thema Psychotherapie kurz und bündig erklärt.

 

BegriffErklärung
AffektivitätIst die Gesamtheit der Gefühle und des Gemüts eines Menschen.
AnamneseDies ist die Aufnahme der Lebensgeschichte und der möglichen Vorerkrankungen eines Patienten durch den Therapeuten.
ÄtiologieDie Ursachen für die Entstehung einer Krankheit.
PhänomenologieDer Verlauf und der Schweregrad einer Erkrankung.
SymptomatikDie Gesamtheit der aus einem Krankheitsprozess resultierenden Symptome.
KomorbiditätEine Komorbidität ist ein weiteres, diagnostisch abgrenzbares Krankheitsbild oder Syndrom, das zusätzlich zu einer Grunderkrankung (Indexerkrankung) vorliegt.
PsychopathologieBedeutet wörtlich übersetzt „die Lehre von den psychischen Erkrankungen“.
KonfabulationUnter Konfabulation bzw. konfabulieren (wie lat. confabulatio, ‚Erzählung', von fabula, ‚Fabel', ‚Geschichte', ‚Märchen') versteht man in der Psychopathologie die Produktion objektiv falscher Aussagen oder Erzählungen, die in verschiedenen Formen auftritt.
NeologismenWortneuschöpfungen, die nicht der sprachlichen Konvention entsprechen und oft nicht umittelbar verständlich sind.